Der Gemüseanbau am Auenhof ist, wie auf vielen kleinbäuerlichen Betrieben, ambitioniert. Wir versuchen täglich, Ideale und Realitäten abzuwägen und in Einklang zu bringen:

Schon immer war uns eine große Vielfalt auf (und neben!) dem Acker wichtig. So starteten 2016 wir mit über 60 Kulturen, die sich in noch viele weitere Sorten aufteilten. Inzwischen haben wir, vor allem weil der Betrieb durch den Weggang zweier Gründungsmitglieder geschrumpft ist, und weil wir (auch für uns) nach nachhaltigen Arbeitsmodellen streben, unser Sortiment ein wenig verkleinert, indem wir es mit unserem Kooperationsbetrieb Karolinengarten aufteilen.

Der Auenhof wirtschaftet biologisch-dynamisch, ist aber nicht zertifiziert. Wir haben die Freie Ausbildung für biodynamischen Landbau vom Demeter-Verband durchlaufen und haben auch selbst immer wieder Lehrlinge. Für uns bedeutet bio-dynamisch vor allem, einen gesunden, möglichst geschlossenen Kreislauf zu erreichen, und den Hof als Organsimus zu verstehen. Natürlich geben wir unser Gemüse nach außen ab, und, da wir wie viele kleine Gemüsebaubetriebe keinen eigenen Tiere haben, besorgen wir uns Mist zum Düngen der Flächen aus der Gegend. Diese Kreisläufe so lokal wie möglich zu halten, ist ein wichtiges Anliegen.

Mit unserer eigenen Komposterzeugung und dem Bestreben, möglichst viel eigene Jungpflanzenerde zu verwenden, versuchen wir, den Kreislauf eng zu halten und den Zukauf von (meist torfhaltigen) Anzuchterden zu minimieren. Darüber hinaus stellen wir am Hof Pflanzenstärkungsmittel wie Brennnesseljauche und Fermente her und kaufen so gut wie keine Dünger zu. Der langfristige Aufbau gesunder Flächen hat bei uns Vorrang vor der kurzfristigen, auf Ertrag abzielenden Düngung der Pflanze. Die Flächen bereiten wir mit Gründüngungen vor. Der vollständige Verzicht auf synthetische Dünger ist für uns selbstverständlich. Außerdem unterstützen wir Hof, Flächen und Pflanzen mit den bio-dynamischen Präparaten.

Das am Auenhof (so wie im ganzen Gemüse Syndikat) verwendete Saatgut ist ausschließlich samenfest. Eine Pflanzensorte ist dann samenfest, wenn aus ihrem eigenen Saatgut wieder Pflanzen wachsen können, die die selben  Eigenschaften haben wie ihre Elternpflanzen. D.h. eine solche Sorte kann von jedem ­ wie eh und je selbst vermehrt werden. Unsere Gründe für samenfestes Saatgut: erstens, politische - den großen Saatgukonzernen etwas entgegensetzen. Zweitens, weil es wichtig ist, kleine regionale Saatgutbauern zu unterstützen (z.B. Keimzelle) - wir brauchen sie! Drittens, weil die Saatgutvielfalt viel größer ist. Viertens, weil wir ein Interesse daran haben, unser Saatgut selbst vermehren zu können, um es an die spezifischen Bedingungen unseres Standorts anzupassen. Mehr Infos gibt's z.B. hier.

Auch eine eigene Jungpflanzenanzucht wie bei uns ist keine Selbstverständlichkeit. Sie erfordert viel Arbeit und eigene Infrastruktur, ermöglicht aber auch den Kontakt zu den eigenen Pflanzen von "Kindesbeinen" an, eine Kontrolle über das verwendete Saatgut und ist ein spannendes und herausforderndes Gebiet in der Gemüsegärtnerei.

Bei den Jungpflanzen sowie auf dem Acker arbeiten wir vor allem von Hand und halten den Maschineneinsatz so gering wie möglich, um den Boden zu schonen und möglichst wenig fossile Ressourcen zu nutzen. Unser Maschinenpark besteht weitetsgehend aus einem alten Fendt Geräteträger (kleiner Traktor), einer Hakorette (Einachser), Freischneidern und einem Rasenmäher. Unser Pferd, 2016 und 2017 noch im Einsatz, haben wir inzwischen verkauft. Dies ist ein gutes Beispiel vom Abwägen der Realitäten und Ideale. Als Familienbetrieb im Aufbau waren wir den besonderen Anforderungen der beziehungsintensiven Pferdearbeit nicht mehr gewachsen.

Die Artenvielfalt auf unserem Acker zu erhöhen, Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen, und den Boden für nachfolgende Generationen zu erhalten, ist ein großes Ziel für uns. Mit der Vermarktung über die SoLawi machen wir eine Landwirtschaft möglich, die nachhaltig ist und die Umwelt schont. Kurzfristig versuchen wir das, indem wir möglichst umweltverträglich arbeiten (siehe oben), Blühstreifen einrichten und Raum unbewirtschaftet lassen, auf dem Tiere ungestört sein können. Das freut zum Beispiel die Feldlerche. Mittel- und langfristig arbeiten wir daran, unsere Ziele auf Eigentumsflächen mit permakultur- oder agroforstähnlichen Strukturen zu erreichen: v.a. durch die Pflanzung von Hecken und Bäumen in vielfältigen Strukturen wollen wir Beschattung erreichen, Verdunstung vermeiden, Winderosion stoppen und Kleinklimazonen für unterschiedliche Pflanzenbedürfnisse sowie Schongebiete für wilde Flora und Fauna schaffen. Und ein paar Hektar mehr einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Bewirtschaftung zuführen, die auch Beispiel sein kann. Zudem würde hier die Möglichkeit entstehen, Obst anzubauen, das auf unseren Flächen noch weitestgehend fehlt. Im Jahr 2020 haben wir endlich eine erste Obstwiese anlegen können.

Unsere Ideale erstrecken sich nicht nur auf den Acker. So sind uns auch menschenverträgliche Arbeitsbedingungen, enge Beziehungen zu unseren Abnehmern und die solidarische Preisgestaltung sehr wichtig. Unser Gemüse und ein wenig Obst vermarkten wir deshalb über unsere Solawi, das Gemüse Syndikat: